Ende der 1980-er Jahre sorgte Diego Armando Maradona in Neapel für Massenaufläufe und oftmals Stillstand des öffentlichen Lebens. Am Samstag, 7. Mai 1988, sorgte er für dasselbe in Belp. Maradona war Gast beim Wirt Antonio Muscolino, der das «Bahnhöfli»/Pizzeria Da Rocco führte – heute das Puccini.

Ursula Muscolino, in Toffen wohnend, erinnert sich: «Die Polizei musste die Strassen absperren, alles war voller Leute, man konnte sich rund ums ‹Bahnhöfli› kaum bewegen.» Man sehe es auf dem Foto, die Leute klebten am Fenster, jeder wollte den Superstar mit eigenen Augen sehen.
Tochter Patrizia Keller-Muscolino ruft während des Gesprächs mit Bäup.ch zwei ehemaligen Mitarbeitern an, um die Infos rund um den Maradona-Besuch zusammenzutragen. Maradona sei auf Einladung von Napoli-Vereinigungen in Bern und Freiburg gewesen, «und weil mein Vater einen der Präsidenten dieser Vereine kannte, kam dieser Besuch in Belp zustande. Mein Vater machte den Besuch öffentlich bekannt, was dazu führte, dass an diesem Samstag rund um die Belper Bahnhofstrasse kein Durchkommen mehr war. Maradona besuchte unser Restaurant mit drei weiteren Napoli-Fussballstars. Sie kamen vier Stunden später an, als abgemacht war…» Man habe die VIP-Gäste durch den Hintereingang, Garage–Treppenhaus–Küche, ins Restaurant gelotst, «sonst hätte er seinen Platz im Restaurant kaum erreicht», erinnert sich die Tochter von Antonio Muscolino.
Die weiteren SSC-Napoli-Stars waren Ciro Ferrara, Fernando De Napoli und Giuseppe Bruscolotti.
Die Bahnhöfli-Mitarbeiter Cesar Pena (heute Wirt in der Linde Kaufdorf) und Giovanni Buccolo wissen bis heute, was Maradona bestellte: «Rindshohrückenfilet. Es war Tisch vier.» Ursula Muscolino nickt. «Es ist der Tisch zuhinterst am Fenster, die Leute aussen am Fenster standen auf der schmalen Terrasse, den Rücken zur Gürbe.»
Pena habe mit Maradona natürlich spanisch gesprochen. «Diego sagte mir, es mache ihn glücklich, wenn er spanisch sprechen könne.»
Buccolo erzählt, wie er mit Maradona in der Küche kurz Ball gespielt habe. «Ich hatte einen Fussball parat, wir spielten mitten in der Küche kurz zusammen, natürlich gab es Fotos mit Diego und meiner Familie. Diego war sehr freundlich, umgänglich und ruhig (tranquillo), gar nicht hochnäsig. Er interessierte sich für uns. Ein besonderer Moment (una cosa speciale)!»


Ursula und Patrizia Muscolino erinnern sich an den Mai 1988.
Zu Maradonas Unterschrift gehörte immer die Rückennummer 10.
Sie selber, auch ihre zwei Töchter Patrizia und Claudia, hätten im ganzen Trubel natürlich nicht viel gehabt von ihrem berühmten Gast, sagt Ursula Muscolino.
«Am Sonntag, dem Muttertag, wollten wir als ganze Familie in Bern, im damaligen ‹Academia› im Morillon, essen gehen. Ohne es zu wissen, war Maradona genau dann auch dort, und zwar ohne Trubel! So kamen wir doch noch zum Familienfoto mit ihm», freuen sich Mutter und Tochter Muscolino noch heute.

Maradonas Tod (25. November 2020) bewegt die Welt. Argentinien ordnet drei Tage Staatstrauer an, ein Livestream zeigt die endlose Prozession der Fans an seinem Sarg vorbei.
Maradonas Besuch in Belp war in der Zeit, als er für die SSC Napoli spielte. Sein erstes Training in Napoli (1984) fand vor 75’000 Fans statt. Maradona wurde schnell Schlüsselspieler, er führte die SSC Napoli 1987 zum Meister, im gleichen Jahr zum Sieger der Coppa Italia, 1989 zum Sieg im Uefa-Cup und 1990 zum erneuten italienischen Meister. An der WM 1986 in Mexico gewann Maradona mit Argentinien den begehrten Pokal.
Zu Beginn der 90-er Jahre nahmen Maradonas Eskapaden abseits des Fussballplatzes zu, der sportliche Erfolg nahm ab.
Peter Ahrens schreibt einen packenden Nachruf: «Die Grösse und die Tragik» (Artikel kostenlos > «inkl. Werbung» einstellen)
Danke, Peter Beutler, für den Hinweis zu dieser Geschichte!
Schreibe einen Kommentar