
Dieser Faden zieht sich vom Alten ins Neue. Ganz konkret mit der roten, vom alten ins neue Mühlematt führenden Tartanbahn (sie bleibt erhalten) und mit dem Erhalt der Aula.
«Fil Rouge» heisst das Siegerprojekt für die neue Schulanlage Mühlematt. Die Gemeinde Belp stellt die 12 Finalisten des Architekturwettbewerbs bis am 8. Dezember im Aaresaal aus und informiert auf einer soeben lancierten Projekt-Website.
Gemeindepräsident Benjamin Marti war es, der dem Architekturbüro Neon Deiss in Zürich angerufen hat: «Sie haben gewonnen.» — «Klar, es war ein lauter Jubel am anderen Ende der Leitung», so Marti.
Das Büro Neon Deiss hat gemeinsam mit drei Spezialisten die Belper Jury überzeugen können: Mit Hoffmann + Müller Landschaftsarchitektur Zürich, Ulaga Weiss AG Basel (Bauingenieurwesen) und Zirkular GmbH Basel (Kreislaufwirtschaft).
Der Verfahrensleiter Fritz Schär betonte mit Begeisterung die «unglaublich gute Situierung» des Siegerprojekts, die «erzählerische Art» dieses Fil Rouge und «das immer wichtiger werdende Thema Kreislaufwirtschaft.» Das Siegerprojekt wolle die alte Schulanlage nicht einfach abreissen und in der Mulde abtransportieren. Gewisse Materialen aus der alten Anlage sollen am neuen Gebäude wieder genutzt werden. «Und zwar sichtbar. Zum Beispiel das Eternit an der Aussenfront.»
Was einigen vielleicht kurz durchs Gedächtnis zuckte – das Wort Naphtalin – war an der Präsentation ganz am Rand ein Thema, im Zusammenhang mit der Aula: «Die Aula kann gut bleiben, sie hat ja kein Naphtalin.»
Wie geht ein Architekturbüro an ein solches Projekt heran? «Es ist uns wichtig, das Areal eines Projektes zu ‹lesen›», sagt Michèle Mambourg (Büro Neon Deiss) gegenüber Bäup.ch. Dazu sei man also schon ein paar Stunden durchs Mühlemattquartier spaziert.
Der vorgeschlagene Standort der Veloparkplätze an der stark befahrenen Mühlestrasse braucht aber vermutlich noch eine weitere Lesung. Der Grossteil der Schüler kommt vom Säget her zum Schulhaus. «Solches macht aber nichts», sagt Fritz Schär, «denn kein Projekt ist zu hundert Prozent perfekt.» Die Ausarbeitung der Details komme ja jetzt erst.
Das Siegerprojekt und das zweitrangierte zeigen sehr eigenen Charakter. Die Projekte drei bis fünf sind (für den Schreiberling jedenfalls, von Drohnenperspektive aus) eher nah beieinander.
Jurymitglied Caroline Fiechter würdigte an der Präsentation insbesondere auch das zweitplatzierte Projekt co-op: «Eine sehr zukunftsorientierte Idee.» Der Architekt Rolf Mühlethaler (Bern) schlägt einen massiven Block mit Sporthallen in der Mitte, rundum Schulräume und hohem Sheddach mit viel Lichteinlass. Auf den ersten Blick abschreckend, auf den zweiten Interesse weckend. Es sind ja die Kontraste, die das Leben kurzweilig machen.
Die Dokumentation schreibt zum zweitplatzierten Projekt: «Als enorm zukunftsorientiertes, aber auch sehr radikales Schulmodell wird der Vorschlag als höchst wertvoller Beitrag sehr kontrovers diskutiert, ja intensiv debattiert; in der Schlussdiskussion wird er aber – vor allem im Hinblick auf ökonomische Faktoren und Fragen der massstäblichen Eignung als Primarschule – für eine Umsetzung unter den Vorgaben der Gemeinde Belp als allzu anspruchsvoll eingestuft.» — «(In diesem) äusserst konsequenten, aber auch sensibel eingefügten und fein austarierten Konzept bleiben nur wenige Fragen offen: Etappierung, Separierung von Zugängen und Bereichen für Primar- und Sekundarschule, Einsehbarkeit Turnhalle, Brandschutz.»

«Fil Rouge» oder «co-op»? Bewährtes oder Überraschendes? In der Jury ist über dem Vorschlag co-op heiss debattiert worden (der Schreiberling war leider kein Müsli dort im Raum). Gewonnen hat in Belp letztlich harmonisch Bewährtes, poetisch gemixt mit Neuem, inklusive trendy Ökokompatibilität.
Zwei Wochen lang sind die 12 Finalisten-Projekte im Aaresaal ausgestellt, für alle zur freien Besichtigung (Maskenpflicht).
Allgemeine Infos, Öffnungszeiten im Aaresaal, Projektbeschreibungen Rang 1–5 (Architekten haben so schön konstruierte Grammatik!), Kriterien des Wettbewerbs, Bauphasen-Etappierung des Projekts «Fil Rouge», Fahrplan des Gesamtprojekts, Newsletter-Anmeldung – alles finden Sie hier:

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