29 Belper/-innen vom Berg und vom Tal haben sich am letzten Mittwoch für die Schule Belpberg entschieden – anstatt für Manchester United im Wankdorf. Die Gemeinde Belp lud an diesem Abend alle Interessierten ein, sich zur Zyklusschule Belpberg persönlich ein Bild zu machen.
Weil die Schülerzahlen auf dem Berg zu tief sind, weist der Kanton die Gemeinde darauf hin, dass die Schule bei weiter sinkenden Zahlen geschlossen würde. Die Gemeinde hat daraufhin eine Lösung ausgeheckt: Kinder vom Dorf sollen auf den Berg in die Schule gehen. Details dazu auf Bäup.ch: Januar 2018 | Juni 2018 | August 2018.
Michel Weber, Leiter Abteilung Bildung der Gemeinde, fasst die ganze Geschichte rund um die Belpberger Schule ganz einfach und lächelnd zusammen: «Es braucht mehr Kinder, sehr verehrte Eltern!»
Als Jahreszahl einer möglichen Schliessung stand bisher 2019 im Raum. Weber beruhigte aber: «Der Schulindpektor hat uns gerühmt für unsere Bemühungen, das ist für mich schon ein halbes ‹im 2019 wird noch nicht geschlossen.›»
Alle für den Belpberg relevanten Schul-Funktionäre der Gemeinde waren am Mittwoch da, alle Lehrer, einige Eltern vom Dorf und auch vom Berg. Die Offiziellen warfen sich voll ins Zeug für umfassende, detaillierte Infos; die Lehrer (mein Titelbild) bauten Vertrauen auf in ihre Schule und zeigten den Besuchern die Schulräume; die Belpberger taten mit lockerer Stimmung, fröhlichen Zwischenkommentaren und einem Imbiss am Schluss alles, ihre Schule und den Berggroove in bestem Licht darzustellen.
Die Tal-Eltern hörten zu, fragten nach, genossen den Imbiss, lernten Berg-Eltern und Lehrer kennen. Und, so hoffen nun alle andern: Füllen bis nach den Herbstferien das Formular einer provisorischen Anmeldung ihres Kindes für die Bergschule aus.
Das Modell der Zyklusschule ist das beste von sechs Varianten der Belpberg-Projektgruppe. «Auch der Kanton unterstützt uns darin sehr. Er ist interessiert an alternativen Schulmodellen.»
Matthias Stefan, Schulleiter auf dem Belpberg, warb ausführlich mit den Vorteilen, die eine so kleine Schule mit Mehrjahrgangsklassen habe: Stichworte waren individuelle Förderung, altersdurchmischtes Lernen, binnendifferenziertes Lernen (kommt sicher vom Lehrplan-21), Individualisierung, die Grossen helfen den Kleinen, die Kleinen helfen den Grossen, man geht auch mal spontan in den Wald rüber…
Ob denn der Belpberg ausschliesslich idyllisch sei, war eine der Fragen. Man höre viele sympathische Geschichten, wie das Leben auf dem Berg halt schon einfach anders, weniger hektisch, integrierter, angenehmer sei als im Dorf unten. «Meine Kinder mussten halt im Dorf unten lernen, wie ein Fussgängerstreifen funktioniert, hier oben gibts keinen; oder dass man sein Velo unten immer abschliessen und die Batterielichter mitnehmen muss, was ein heftiger Kulturschock war.» Idyllisch tönts schon, auf dem Berg schliesse niemand sein Gefährt ab.
Der Belpberg-Lehrer wollte darum geklärt wissen, dass die Belpberg-Schule ganz normal sei wie jede andere Schule auch. Dass hier oben Kinder genauso Mühe haben mit Schulstoff wie unten. Oder genauso gut zSchlag chöme wie unten. Oder dass es genauso Streitereien gebe wie unten. «Wir sind nicht besser oder schlechter, sondern einfach echli anders. Integrierter. Und es gibt Kinder, für die ein solches Modell halt besser passt als zum Beispiel Einzeljahrgangsklassen.»
Die Diskussion war lebhaft, man wollte gewisse Details ganz genau wissen, oft konnte die Antwort nur lauten: «Das wissen wir jetzt noch nicht, wir finden aber gemeinsam mit Ihnen Antworten heraus, liebe interessierte Eltern.»
Es wurde zum Beispiel gefragt, wo der Schulbus im Dorf losfährt (klären wir gemeinsam mit den Familien) | obs einen Mittagstisch oder eine offizielle Tagesschule geben wird (vielleicht, je nach Anzahl Kindern) | ob es Tagesmütter auf dem Belpberg gibt (Ja) | ob man wissen könne, wieviele sich denn anmelden, damit sein Töchterli nicht plötzlich als einziges Talkind auf den Berg gehen müsse (schon jetzt hats ein Talkind, also wärens schon jetzt zwei; je eher SIE sich melden, desto eher wissen alle, wer dabei ist oder eben nicht) | ob die Talkinder da oben als Aussenseiter genommen und schlimmstenfalls gemobbt würden (leicht erstauntes und fröhliches Kopfschütteln im Raum – Nein, die Bergkinder sind sehr offen, sie nehmen Neue sehr herzlich auf).
Gegen Schluss schienen mir die Eltern fast etwas überbesorgt, alle Details wollten sie geklärt haben, erstaunlich viele Szenarien und irgendwo eventuell lauernde Probleme wurden gewälzt.
Also Ich selber würde wohl nicht lange zögern, meinen beiden Töchtern (die mittlerweile aus der Volksschule raus sind) den Belpberg schmackhaft zu machen.
Vielleicht hätte ich das vor 15 Jahren schon noch nicht genau so gesagt, aber mittlerweile weiss ich: Kinder sind keine Porzellanpüppli (ausser man macht sie dazu). Liebe interessierte Eltern: Traut euren Kindern was zu! Oder, anders gedacht: Macht ihre Basisschulzeit zu etwas Speziellem!
Ich bin fast sicher, sie werden da oben anders zur Basisstufe rausgehen. Eine Belpbergerein sagte: «Meh bödelet.» Bärndütsch ist wieder mal abschliessend.
Weber nach fast zweieinhalb Stunden: «Es braucht hier nun halt ein bisschen Pioniergeist. Liebe Eltern, besprecht das sorgfältig, natürlich auch mit den Kindern. Kommt jederzeit – Telefon vorher reicht – in die Belpbergschule einfach mal reinschauen, natürlich auch mit euren Kindern.»
Bis Mitte Oktober bittet die Gemeinde um eine provisorische Anmeldung, im November wird nochmals an einem Anlass informiert, bis Weihnachten ist eine definitive Anmeldung erbeten. Alle Familien im Tal, deren Kinder im entsprechenden Alter sind, wurden/werden per Briefpost über die Zyklusschule Belpberg auf dem Laufenden gehalten. Die Abteilung Bildung der Gemeinde ist jederzeit zu weiteren Auskünften bereit, man solle ruhig auch vorbeikommen mit offenen Fragen.

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